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André E. Steinhausen



A.E. Steinhausen - Biografie


1964        Geb. in Köln

1983-88    Akademie der Bildenden Künste, Wien, Meisterschule für Malerei Prof. R. Hausner
1988        Diplom, Mag.art.
1988-89    Kunsthochschule Berlin-Weißensee/ DDR/ Prof.Tessmer
1990-91    Akademie der Künste, I. E. Repin, Leningrad, UdSSR, Prof. W. A. Wetragonskij
1993       Beitritt BBK Berlin
1997-01    Künstlergruppe T.R.O.
2000       10. Sächs. Druckgrafiksymposion, Hohenossig bei Leipzig
2004       Beitritt IG Bildende Kunst, Wien
2008       Gründung der AKG Berlin gemeinsam mit Jasna Herger

Preise/ Stipendien


1987       Silberne Fügermedaille, Begabtenstipendium der Akad.d.B.K., Wien
1988-89    Auslandsstipendium, DDR
1990-91    Auslandsstipendium UdSSR

Ausstellungen (Auswahl)


1985       Meisterschule R. Hausner, Wien, Katalog; Galerie Zwerglgarten, Slzb., Katalog
1989       Galerie KHB Berlin
1990       Theseustempel, Akad. d. B. K., Wien, Katalog; Galerie Ten Eikelder, Köln, Katalog
1993       Kleine Galerie, Wien, Katalog
1995       25. FBK Berlin, Katalog; 8. Graphikbiennale Varna,
            Bulgarien, Katalog
           "Die menschliche Komödie - Europäische Druckgraphik", Wien, Katalog
1996       1. Int. Steindruckbiennale der Ostseeländer, Neidenburg, Polen, Katalog
1997       1. Grafik-Triennale, Bietola, Mazedonien, Katalog; 9. Graphikbiennale, Varna, Bulgarien, Katalog
1998       Galerie Hilgemann, Berlin; Gruppe T.R.O.: 2. Int. Festival für Exper. Kunst, Manege, St. Petersburg, Katalog
1999       3. Grafiktriennale, Gizeh, Ägypten, Katalog
2000       "10. Sächs. Grafiksymposion", Krochhaus Leipzig, Katalog
2002       Galerie Anton, Berlin
2003       Narva- Oberbaumcity Berlin, Katalog
2005       Galerie Kraftwerk, Berlin
2007        DEVIDED, Galerie Artodrome, Kunstverein Beyreuth e.V.
2008        Art Expo, New Yor, Katalog
2009        Malerei und Druckgraphik, AKG Berlin
2009        "Druckgrafik aus Wien", Gallery Ciel, Utsunomiya-shi, Japan
2009        The 50th Annual JAPAN PRINT SOCIETY (JPS) EXHIBITION, Tokyo Metropolitain Art Museum
2010        WIEN - TOKIO - BERLIN, Druckgraphik aus Österreich, AKG Berlin
2010        Art in the City 4, GALLERY NINENINEZEROZERO, Lienz, Österreich
2010        face-to-face, KunstZumKaufen, AKG Berlin

Werke in öffentlichem Besitz


Kupferstichkabinett, Akademie der Bildenden Künste, Wien
Staatliche Kunstsammlung Gizeh, Ägypten
Österreichische Nationalbibliothek
Deutsche Bücherei Leipzig
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
Scripps College, Kalifornien, USA

Arbeitsgebiet: Malerei, Druckgraphik/ Bücher, Klanginstallationen      ae-steinhausen


André E. Steinhausens Bilder berichten von seinen persönlichen Erfahrungen mit der sozialen und politischen Wirklichkeit unserer Tage, und sie tun dies in einem durchaus persönlichen Duktus, welcher allerdings in der Tradition des europäischen Realismus steht. Damit ist er in mehrfacher Hinsicht als Außenseiter zu bezeichnen, welcher sich nicht an den von den Zentralgalerien der Westkunst verkündeten Trends orientiert. Vielmehr zeichnen sich die Verwüstungen und Verödungsresultate der geschichtlichen Prozesse in seinen Bildern mit tagebuchartiger Direktheit ab.
Längst schon ans Wegschauen gewöhnt, hat sich der westliche Betrachter vor den Bildern aus den Städten Osteuropas, denen der Chic und die Eleganz, die uns zur Selbstverständlichkeit geworden sind, so sehr fehlen. Dahinter verbirgt sich das Desinteresse, ja oft die unverblümte Angst, mit dem das Schicksal der Menschen in diesen Städten konfrontiert zu werden.
André E. Steinhausen hat bei Arbeitsaufenthalten und auf Studienreisen nach Dresden und Ostberlin, nach Riga, Moskau und St. Petersburg viele Arbeitskollegen, Studenten und Künstler kennen gelernt und unter ihnen zahlreiche Freundschaften geschlossen. Das Lebensgefühl der jungen Menschen dort formt mit an seinen Bildern. Er ist von den politischen Umbrüchen persönlich betroffen und die Fragwürdigkeit eindimensionaler ideologischer Betrachtungsweisen, wie Triumph des Westens oder Fortschritt der Zivilisation, sind ihm tief bewusst.
In André E. Steinhausens Bildern werden die öden Feuermauern Ostberliner Mietskasernen oder die devastierten Räume in Leningrader Altbauten zum Thema. Einerseits Symbole des Verfalls, waren sie andererseits Zeichen und Territorien eines geistreichen Freiraums, welchen sich die kreative Jugend mit Ateliers, Clubräumen und nicht zuletzt Wohnmöglichkeiten in den realsozialistischen Systemen erkämpft hatte. Diese Freiräume werden nun durch die Offensive des Westkommerzes zerstört. Dies drückt sich auch aus in der neuen Dominanz der Zeichen westdeutscher Großkonzerne auf Moskauer Fassaden, wo sie an die Stelle der jetzt entfernten Heraldik des ehemaligen staatlichen Machtkultes getreten sind. Bei André E. Steinhausen sind diese, von den besten Profis des westlichen Designs zurechtpolierten Firmenlogos schmerzhaft verzerrt und haben ihre ultimative Perfektion verloren.
Graphische Perfektion kann Kleid der nackten Macht sein, dies scheint die Erkenntnis zu sein, welche André E. Steinhausens Bilder vielleicht vermitteln können. Zugleich ist sie Symbol einer Gesellschaft der Verschwendung, hinter der sich der Egoismus kaum verbirgt. Kritik an der die Sensibilität und Fantasie erstickenden Macht, diese in der Tradition von George Grosz aufgefasste Aufgabe der Kunst, führt André E. Steinhausen weiter. Und der Mangel an Sensibilität mit den Menschen in den Ländern des Ostens verhindert. Eines Ostens, dessen Kultur für uns von nicht zu überschätzender Bedeutung ist.
Bei der Jugend in den Städten Osteuropas, welche die Zumutungen des Realen Sozialismus abgewiesen hatte und sich nun gegen die westliche Kolonisierung wehrt, findet André E. Steinhausen Freunde. In ihrem Kampf und ihrer Suche nach der eigenen Form des Lebens sieht er ein Beispiel und eine Parallele zu seinem eigenen Weg.

Ulrich Gansert, Assistenzprofessor an der Akademie der Bildenden Künste,
zur Ausstellung André E. Steinhausen, Kleine Galerie, Wien, 1993

Ein Kölner oder Karlsruher mag sich gruseln angesichts der Stadtbilder von A.E. Steinhausen. Ja, das ist er: der ferne, fremde, wilde Osten. Das westdeutsche Bürger-Idyll hat er (bisher) nur insoweit gestört, als dass der eine oder andere Steuersparer mit Kapitalanlagen jenseits der Elbe nicht immer erfolgreich war. p> Aber sonst? Gäbe es nicht Fernsehen und Zeitungen, die die Kunde von der "Wende" auch in den abgelegendsten Winkel trugen, über spürbare Auswirkungen hätte kaum jemand im saturierten Westen von den Umwälzungen in Berlin und der eingegangenen DDR etwas mitbekommen.

Die "Neue Zeit" ist verschwunden, den Narva-Turm krönt eine opulente Glashaube, an der Friedrichstraße haben Abrissbirnen, Bagger und Kräne ihr Werk getan. Die das in die Wege geleitet haben, kamen meist aus dem Westen - im günstigen Fall als Unternehmer und nicht als Missionare. Und sie waren, wie das im Wirtschaftsgetriebe eben so ist, erfolgreich oder auch nicht. Dreizehn harte Nachwendejahre haben die Spreu vom Weizen weitgehend getrennt.

Zu besichtigen sind die galoppierenden, von den Fesseln des kalten Krieges befreiten Entwicklungen in Gebautem. Ausgerechnet Immobilien, die Unbeweglichen, lassen ahnen, vor allem in dem Zwischenstadium, in dem Steinhausen sie gebannt hat, was alles möglich gewesen wäre.

Vom "Messen und Überwachen" (am Frankfurter Tor) zur Immobilien AG - das ist es geworden. Doch damit ist noch lange nicht Schicht am Schacht. Das Filmtheater Capitol bleibt geschlossen, in der AEG-TRO-Fabrik gähnt Leere. Niemand braucht sie mehr. Und damit fängt die neue Geschichte, die der fortgesetzten Umbrüche, erst an.

In Berlin spürt man das schon; damit umzugehen versteht auch hier längst nicht jeder. An Köln oder Karlsruhe wird das aber nicht spurlos vorüber gehen. Eine Speerspitze dieser Entwicklung ist in A.E. Steinhausens Bildern und Graphiken zu entdecken.

Manfred Waldmann
stv. Ressortleiter Immobilien

DIE WELT/ WELT AM SONNTAG